Abklatschproben bei Schimmelpilzen: Warum kleine Nährböden keine verlässlichen Ergebnisse liefern
Was sind Abklatschproben bei Schimmelpilzen? Abklatschproben sind eine Methode zur Untersuchung von Oberflächen auf Schimmelpilze. Dabei wird ein Nährmedium direkt auf eine Fläche gedrückt, um Mikroorganismen aufzunehmen und anschließend im Labor zu kultivieren. Es sind vergleichsweise kleine Nährböden mit einem Durchmesser von ca. fünf Zentimetern. Diese wirken auf den ersten Blick praktisch, kostengünstig und leicht anzuwenden. Damit beginnt das Problem: Die geringe Größe schränkt die Aussagekraft erheblich ein.
Warum die Größe des Nährbodens entscheidend ist
Für eine zuverlässige Bestimmung von Schimmelpilzen müssen Kolonien eine gewisse Größe erreichen. Erst ab etwa einem Zentimeter Durchmesser lassen sich typische Merkmale wie Farbe, Struktur und Sporenbildung gesichert identifizieren. Auf einem kleinen Nährboden mit fünf Zentimetern Durchmesser ist der Platz jedoch stark begrenzt. Selbst bei optimaler Verteilung lassen sich realistisch nur 18-20 Kolonien sinnvoll auswerten. Das ist zu wenig, um eine belastbare Aussagen über eine mögliche Kontamination zu treffen. Eine erfolgreiche Sanierung läßt sich damit nicht erreichen.
Hintergrundrauschen: Schimmelpilze sind überall
Ein entscheidender Punkt wird oft übersehen. Schimmelpilze kommen natürlicherweise in der Umwelt vor. Selbst in ganz sauberen Innenräumen lassen sich einzelne Kolonien nachweisen. Wenige Kolonien auf einer Abklatschprobe entsprechen häufig schon dem Hintergrundrauschen der normalen Raumluft. Das bedeutet: Ein solcher Befund ist kein Hinweis auf einen Schaden, sondern vielmehr ein typisches Ergebnis.
Fehlende Bewertungsrichtlinien für Abklatschproben
Daraus ergib sich schon die nächste Schwierigkeit mit den Abklatschproben. Weil die Aussagekraft dieser Methode, sagen wir mal, übersichtlich ist, fehlt eine entsprechende Bewertungs-Richtlinie dazu. Weder der Schimmelpilzleitfaden des Umweltbundesamt noch andere anerkannte Fachquellen bieten konkrete Grenzwerte oder belastbare Bewertungsmaßstäbe für diese Art der Probenahme. Das bedeutet: Die Methode ist für eine fundierte Bewertung schlicht nicht geeignet.
Warum Abklatschproben trotzdem verwendet werden
Trotz der genannten Einschränkungen werden solche Tests weiterhin eingesetzt – auch von Sachverständigen und Sanierungsfirmen. Gründe dafür sind häufig die einfache Handhabung, die schnelle Durchführung und die niedrigen Kosten. Allerdings sollte klar sein: Die Ergebnisse sind nur sehr eingeschränkt interpretierbar und eignen sich nicht als Grundlage für fundierte Entscheidungen. Zusammengefasst lässt sich sagen: Kleine Abklatschproben liefern keine verlässlichen Informationen über eine Schimmelbelastung. Die geringe Anzahl auswertbarer Kolonien, das natürliche Hintergrundrauschen sowie fehlende Bewertungsrichtlinien machen diese Methode nahezu ungeeignet für eine seriöse Beurteilung. Wer belastbare Ergebnisse benötigt, sollte auf wissenschaftlich fundierte Verfahren zurückgreifen und die Grenzen einfacher Testmethoden kennen. Eine gute und durch das Umweltbundesamt anerkannte bzw. beschriebene Methode ist die Oberflächenkontaktprobe mit der mit einem Klebestreifen eine verdächtige Probe genommen wird. Dabei handelt es sich um eine mikroskopische Probe, die deutlich mehr Aufschluss bringt über die Dichte und Konzentration von Sporen auf dem Klebstreifen. Weitere Infos zu dieser Beprobung finden Sie hier.
Fazit: Kleine Abklatschproben bringen keine aussagekräftigen Ergebnisse.
