UV-Lampe gegen Schimmel: hilfreich oder irreführend? Schimmelpilze in Wohnräumen bleiben oft unsichtbar. Mit der seit einigen Jahren häufiger eingesetzten Methode der Bauforensik ist es möglich unter anderem Schimmelpilze durch UV-Licht sichtbar zu machen. Eine UV-Lampe (Schwarzlicht) macht viele Schimmelarten durch Fluoreszenz sichtbar. Doch die Methode hat Stärken und Schwächen. UV-Lampen (Wood-Lampe) helfen bei der Schimmelsuche – doch wie zuverlässig ist die Methode?
Prinzip und Grenzen der Methode
Die UV-Lampe (meist 365 nm im UV-A-Bereich) regt bestimmte Moleküle an. Bei den Schimmelpilzen handelt es sich um das Chitin, das häufig in den Zellwänden von Schimmelpilzen vorkommt, allerdings nicht in allen Schimmelpilzen. Durch die Anregung mit UV-Licht können manche Schimmelpilze nachgewiesen werden, die mit bloßem Auge nicht erkannt werden.
Vorteile der UV-Diagnostik bei Schimmel
- Schnelle Ersteinschätzung
Mit einer UV-Lampe erkennen Sie Schimmelbefall innerhalb von Minuten. Ideal für Keller, Bäder oder nach Wasserschäden etc.. - Zeit- und kostensparend
Eine erste Inspektion dauert nur Minuten und kostet wenig, sofern man nur eine Lampe einsetzt. Im professionellen Bereich wird diese oft mit Kamera und Filter kombiniert. - Nicht-invasive Untersuchungsmethode ohne Zerstörung der Bausubstanz.
Nachteile und Grenzen der Methode
- Risiken können falsch-positive Ergebnisse sein: Haushaltschemikalien, biologische Spuren wie Urin und Schweiß, Klebstoffe oder Lacke können fluoreszieren und zu falsch-positiven Ergebnissen beim Schimmelpilznachweis führen.
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- Unter den organischen Substanzen finden sich Urin, Sperma, Speichel, Schweiß sowie Blut.
- Chemische Substanzen können Lacke, Farbstoffe, Kunststoffe, Textilfasern sein.
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- Nicht alle Schimmelarten leuchten.
Nur bestimmte Pilze fluoreszieren. Nicht alle Schimmelpilze enthalten Chitin. Stachybotrys chartarum gehört zu den Schimmelpilzen, die sich nicht durch UV-Licht nachweisen lassen.-
- Ein negatives Ergebnis schließt Schimmel nicht aus.
- Umgekehrt ist ein positives Ergebnis nicht mit einem Schimmelpilzbefall gleichzusetzen.
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- Oberflächenabhängigkeit. Die Fluoreszenz kann auch von der Beschaffenheit des Untergrund wie beispielsweise Farbe beeinflusst werden. Auch die Vitalität der Schimmelpilze hat Einfluss auf die Stärke des Fluoreszenzsignals.
Einordnung der Fakten
Die Untersuchung von Schimmelpilzen mit UV-Licht ist kostengünstig, schnell und nicht-invasiv. Auf der anderen Seite ist die Fluoreszenz relativ unspezifisch und fehleranfällig. Für eine sichere Identifizierung von Schimmelpilzen muss der Befund aus der Bauforensik abgesichert werden durch eine klassische Schimmelpilzuntersuchung durch ein erfahrenes Labor durchgeführt werden. Keinesfalls darf eine vorgefundene Fluoreszenz direkt mit dem Vorhandensein von Schimmelpilzen gleichgesetzt werden. Das könnte zu Fehlinterpretationen führen. Daher ist eine weitere Bestätigung durch eine Laboranalyse unerlässlich. Ohne Erfahrung, Referenzbilder oder Vergleichsmöglichkeiten kann die Interpretation schwierig werden und ein falsches Ergebnis interpretiert werden.
Wichtig ist auch die richtige Wellenlänge zu wählen. Zum Nachweis empfiehlt sich UV-A Licht mit einer Wellenlänge von 365 nm. Das kurzwellige UV-C Licht bei 254 nm wird eher zur Reinigung und Dekontamination eingesetzt.
Einsatz des UV-Lichtes in der Bauforensik
- Der Nachweis von Schimmelpilzen durch UV-Licht findet im abgedunkelten Raum statt
- Das Screening kann nur eine „Vorab“-Methode sein
- Die UV-Licht-Methode wird in Kombination mit anderen Methoden (mikroskopisch oder als Kultur) eingesetzt
- Zur Dokumetation wird der fluoreszierene Bereich fotografiert und markiert, um gezielt Proben nehmen zu können.
Tipp: Die UV-Licht-Methode eignet sich gut für eine erste Orientierung. Häufig auch dann, wenn der Erfolg einer Sanierung nachgewiesen werden soll.
Wie sicher ist diese Methode?
Schimmelpilze sind in den meisten Fällen nicht mit bloßem Auge zu identifizieren. Der Nachweis von Schimmelpilzen durch UV-Licht kann helfen ein erstes Indiz für das Vorhandensein von Schimmelpilzen sein. Für den Einsatz dieser Methode gelten klare Richtlinien, die dabei unbedingt beachtet werden müssen.
Sensitivität: Begrenzt – es werden nur solche Schimmelpilze erkannt, die sich aufgrund des Chinins in den Zellwänden detektieren lassen.
Spezifität: eher gering – viele andere Substanzen fluoreszieren ebenfalls.
Genzen der Methodik: Die UV-Lampe ist ein Werkzeug für den ersten Verdacht, aber keine sichere und alleinige Diagnosemethode. Für eine zuverlässige Identifizierung und Risikobewertung sind mikroskopische oder Kulturverfahren unverzichtbar. Diese Untersuchung kann eine saubere Laboranalyse daher nicht ersetzen.
Fazit: Die Schimmelpilzforensik mit UV-Licht eignet sich für eine erste Einschätzung. Zur Bestätigung von möglichen Schimmelpilzen ist eine Abklärung durch das Labor notwendig, sonst kann es zu Fehlinterpretationen kommen.
