Stimmt das? Mykotoxine aus toten Schimmepilzsporen

Was sind Mykotoxine?

Mykotoxine sind sekundäre Stoffwechselprodukte, die während der aktiven Wachstumsphase von Schimmelpilzen entstehen. Das Umweltbundesamt beschreibt sie als chemisch stabile Verbindungen, die unter bestimmten Feuchte- und Nährstoffbedingungen gebildet werden. Auch das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass gesundheitliche Effekte in Innenräumen primär mit aktivem Schimmelwachstum in Verbindung stehen. In diesem Artikel wollen wir der Frage nachgehen, ob Mykotoxine aus toten Schimmelpilzsporen in die Luft übergehen können.

 

Mykotoxine sind chemisch stabil

Mykotoxine sind sekundäre Stoffwechselprodukte von Pilzen, die während des aktiven Wachstums produziert werden. Sie werden von Pilzen beim Wachsen als Sekundärstoffe gebildet. Die gängigen wissenschaftlichen Quellen besagen, dass diese Toxine nicht von selbst in die Luft „ausgasen“. Diese Mykotoxine sind keine flüchtigen Verbindungen wie MVOC (=microbial volatile organic compounds) und verdampfen daher nicht wie Gase in die Luft. Sie bleiben im Pilz-Material oder im Substrat, auf dem der Pilz gewachsen ist. Es ist also ein Mythos, dass Mykotoxine aus toten Schimmelpilzsporen ausgeschieden werden.

 

Mykotoxine können an Staubpartikeln haften

Mykotoxine können an Sporen, Pilzfragmenten oder Staubpartikel gebunden sein und so in die Luft gelangen und eingeatmet werden. Die Bindung entsteht nicht durch aktive Freisetzung, sondern weil die Toxine bereits an Partikel gebunden sind, wenn sie aus kontaminiertem Material freigesetzt werden. In Studien fanden sich mykotoxinhaltige Partikel in Luftproben, z. B. in Gebäuden mit Feuchteschäden. Im Leitlinienregister der AWMF (= Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) wird ebenso beschrieben, dass Mykotoxine, die sich bereits auf Sporen, Staub oder Pilzfragmenten befinden, luft- und lungengängig sein können (z. B. durch Luftbewegung, Staubaufwirbelung, Sanierungsarbeiten). Das bedeutet, dass Mykotoxine, die bereits an Sporen oder Staub hängen Teil eines Bioaerosols sein können, aber eben nicht aktiv „ausgasen“.

Eine Freisetzung erfolgt nicht aktiv durch die Spore, sondern durch physikalische Prozesse:

  • Zerfall alter Kolonien
  • Austrocknung kontaminierter Materialien
  • Staubaufwirbelung
  • Bau- oder Sanierungsarbeiten
  • Luftströmungen bei fehlender Abdichtung

In einer Veröffentlichung (Fungal Contamination of Building Material…) wurde gezeigt, dass die Partikelgröße darüber entscheidet, wie weit die Partikel in die Lunge eindringen.

  • Partikel von > 5 ym finden sich bis in den Rachen bis auf Höhe des Kehlkopfs ein
  • Partikel von 1 – 5 ym konnten in der Luftröhre und den Bronchien nachgewiesen werden.
  • Partikel < 1 ym dringen bis in die Alveolen (=Lungenbläschen) vor

 

Aktive Produktion findet nur bei lebenden Pilzen statt

Mykotoxine werden erst bei aktivem Wachstum also bei Stoffwechselaktivität unter geeigneten Bedingungen gebildet (Feuchte, Nährboden, Temperatur etc.). Werden sie abgetötet oder inaktiv beispielsweise durch Austrocknung oder chemische Behandlung) produzieren sie keine neuen Mykotoxine. Dieser metabolische Prozess der Mykotoxinbildung erfordert Energie und aktive Zellfunktionen. Es ist zu diesem Zeitpunkt keine wissenschaftliche Studie bekannt, dass inaktive Sporen aktiv Toxine in die Luft abgeben. Wenn ein Pilz abstirbt oder austrocknet, hört die Produktion auf.

 

Fazit

Getrocknete Schimmelpilzsporen, Hyphenfragmente, zerstörte Pilzreste oder andere Staubpartikel in der Luft können Mykotoxine tragen. Diese können durch mechanische Staubaufwirbelung oder Renovierungsarbeiten in die Luft gelangen. Messverfahren haben gezeigt, dass Mykotoxine in der Luft nachweisbar sind, wenn sie an Partikel gebunden sind. Je nach Staub- und Partikelmenge in der Luft kann das eine beträchtliche Menge sein. Falsch ist jedoch die Vorstellung, Mykotoxine könnten von Sporen aktiv in Gasform abgegeben werden. Um Mykotoxintragende Luftpartikel zu eliminieren sind Feinreinigung und der Nachweis einer erfolgreichen Feinreinigung durch eine Freimessung für eine erfolgreiche Schimmelpilzsanierung unerlässlich.