Verdacht auf Echten Hausschwamm oder nicht?

Verdacht auf Echten Hausschwamm – und am Ende war alles ganz anders

Kürzlich erhielten wir eine Probe mit großer Sorge im Gepäck. Es ging dabei um einen möglichen Befall durch Echten Hausschwamm (Serpula lacrymans). Der Echte Hausschwamm besitzt zu recht einen besonderen Ruf. Er durchwächst Mauerwerk, transportiert Feuchigkeit über weite Strecke und gefährdet ganze Holzkonstruktionen. Vielen ist die Tragweite eines solchen Befunds klar. Bei bestätigtem Befall greifen klare Vorgaben nach DIN und WTA. Rückbau, Abschottung, sowie häufig kostenintensive Sanierungsmaßnahmen. Eine solche Sanierung ist komplex und technisch anspruchsvoll.

Bei der ersten Einschätzung fand sich ein anderes Bild. Es war ein gelb-oranges fragiles Gebilde, auch Plasmodium genannt. Das ist ein Amöben-ähnliche Plasma-Masse mit vielen Zellkernen. Das Ergebnis war ein Pilz aus der Gruppe der Myxomyceten, der sogenannten Schleimpilze. Es sah beinahe kunstvoll und ästhetisch aus und war glücklicherweise kein holzzerstörender Pilz. Das bedeutet, keine Gefährdung der Tragstruktur und auch keine Notwendigkeit für sehr umfassende Sanierungsmaßnahmen.

Diese Anekdote zeigt: Fachwissen schützt vor Fehlentscheidungen.

 

Zentraler Punkt ist die Diagnose

Es geht am Ende darum eine Diagnose zu haben, womit wir es bei einem verdächtigen Material zu tun haben. Daran bemisst sich die weitere Vorgehensweise, nämlich ob ein Sanierungskonzept aufwendig oder „nur“ nach Schadensausmaß durchgeführt wird, denn das macht für das Sanierungskonzept und damit finanziell einen großen Unterschied. Gerade in Zeiten steigender Sanierungskosten gewinnt die präzise Bestimmung von Pilzbefall an Bedeutung.

Dieser Fall führt uns zum zentralen Punkt:

  • Nicht jedes Myzel bedeutet Hausschwamm
  • Nicht jeder Belag ist ein holzzerstörender Pilz
  • Nicht jede auffällige Struktur rechtfertigt gleich eine Sanierung

 

Schleimpilze nutzen organisches Material zur Nährstoffaufnahme und zerstören dabei keine tragenden Holzbauteile. Die erforderlichen Maßnahmen unterscheiden sich fundamental von denen bei Befall von Echtem Hausschwamm. Wer hier nicht genau hinschaut, riskiert unnötige Eingriffe, hohe Kosten und Verunsicherung bei Auftraggebern und Eigentümern.

Gerade für Sachverständige ist die Differenzierung mindestens zwischen Echtem Hausschwamm und dem Wilden Hausschwamm (Serpula himantioides)  oder anderen holzzerstörenden Pilzen oder auch den Schimmelpilzen, von denen zumindest einige Moderfäule verursachen wichtig für das Sanierungskonzept. Insbesondere die große Ähnlichkeit zwischen Echtem Hausschwamm und Wilden Hausschwamm muss diagnostisch geklärt sein. Ansonsten könnte es zu unverhältnismäßig hohen Sanierungskosten kommen oder der Echte Hausschwamm wird für den Wilden Hausschwamm gehalten. Dann wären die Sanierungsmaßnahmen möglicherweise unterdimensioniert und genau aus diesem Grund ist eine Diagnostik so wichtig.

Unsere Verantwortung im Labor beginnt mit dem Eintreffen der Probe im Labor. Eine fundierte labortechnische Untersuchung schafft Klarheit, Verhältnismäßigkeit und vor allem Vertrauen. Ohne eine genaue Differenzierung bleibt die Diagnose des Pilzes weiterhin eine Vermutung.

👉 Mein Appell: Eine saubere Diagnostik statt Verdachtsmomente und typische Schadensbilder kritisch hinterfragen. Laboranalysen konsequent nutzen vor einer Sanierungsempfehlungen.