Normgerechte Probennahme – warum so wichtig?

Wer Schimmelpilzschäden professionell bewerten muss, braucht verlässliche Ergebnisse. Doch nur eine fachgerechte Probennahme liefert belastbare Daten. Fehler bei der Probenentnahme führen schnell zu falschen Einschätzungen, unnötigen Sanierungen oder gefährlichen Fehleinschätzungen. Deshalb spielt die korrekte Vorgehensweise eine entscheidende Rolle – sowohl bei Materialproben als auch bei Raumluftuntersuchungen und Klebeproben. Es ist daher wichtig, dass die Proben so genommen werden, dass bei einer Beprobung im Labor normgerecht untersucht werden kann. Im weiteren Verlauf gehen wir auf die einzelnen Probenarten etwas näher dazu ein.

Materialproben: Kennzeichnung direkt an der Entnahmestelle

Bei Verdacht auf Schimmelbefall entnehmen Sachverständige, Sanierer oder andere damit beauftragte Personen häufig Materialproben aus Styropor, Putz, Tapete oder Dämmstoff oder anderen Stoffen. Solche Materialproben müssen wir so einteilen, ob diese mikrokopisch untersucht werden können oder nicht. Bei kleinteilige Proben wie Putzbrösel etc. ist eine Mikroskopie nicht zielführend. Solche Proben werden direkt in Suspension gegeben. Proben die aus einem größeren Stück bestehen und eine einigermaßen glatte Oberfläche haben können auch mikroskopiert werden. Dabei gilt: Jede Probe muss eindeutig an der beprobten Stelle gekennzeichnet sein. Bei einem Stück Styropor ohne Kennzeichnung oder Verfärbung läßt sich nur schwer sagen, welche Seite unten bzw. oben war. Nur durch eine Kennzeichnung lässt sich das Laborergebnis später exakt zuordnen. Wer Proben nicht eindeutig oder falsch beschriftet sind, verlieren Ihre Kontextinformationen. Eine klare Markierung an der Entnahmestelle sorgt daher für Transparenz und Nachvollziehbarkei und ist daher unumgänglich.

Raumluftuntersuchungen: Referenzproben

Raumluftmessungen liefern wichtige Hinweise auf verdeckten Schimmelbefall. Eine Einzelprobe aus einem Raum reicht dabei nicht aus. Jede seriöse Untersuchung benötigt eine Referenzprobe – entweder aus der Außenluft oder aus einem nachweislich unbelasteten Raum. Wird die Untersuchung nach WTA (= wissenschaftlich-technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhalt und Denkmalpflege) durchgeführt, erhält man die Referenz dadurch, dass in einem Raum Luft untersucht wird, bevor und nachdem die Luft mobilisiert wurde. Nur durch diesen Vergleich erkennen Sachverständige, ob eine erhöhte Sporenkonzentration im Innenraum vorliegt oder die Schimmelpilzquelle außerhalb des Raumes liegt. Ohne Referenzwert verliert die Raumluftanalyse ihre Aussagekraft. Das ist der Fall bei den Open-Dish-Verfahren, die genau aus diesem Grundvom Umweltbundesamt als nicht sinnvoll erachtet werden und im professionellen Bereich nicht zum Einsatz kommen. Deshalb gehört die Vergleichsprobe immer zum Standard bei einer normgerechten Raumluftuntersuchung.

Klebeproben: Transparentes Klebeband und saubere Technik

Klebeproben oder auch Oberflächenkontaktproben genannt, zählen zu den häufigsten Methoden zur Bestimmung von Schimmelpilzen auf Oberflächen. Doch hier passieren besonders viele Fehler. Für eine korrekte Entnahme eignet sich ausschließlich klares und transparentes Klebeband, beispielsweise handelsübliches Tesa. Isolierband, Packband oder andere stark gefärbte oder strukturierte Klebebänder verfälschen die mikroskopische Auswertung.

Die Klebeseiten dürfen niemals miteinander verklebt werden. Sobald die Haftflächen aufeinanderliegen, kann die Probe nicht mehr ordentlich untersucht werden, ohne den Status der Probe zu verfälschen. Außerdem sollten Anwender das Klebeband gleichmäßig und ohne Luftblasen auf die betroffene Stelle drücken und anschließend auf einen geeigneten Plastikuntergrund aufbringen. Nur eine saubere Technik garantiert eine aussagekräftige Analyse und nur eine solche Analyse kann zu den nächsten richtigen Schritten führen.

Fazit: Qualität beginnt bei der Probennahme

Die richtige Probennahme entscheidet über die Qualität der Schimmelpilzanalyse und den Erfolg des Sanierungskonzepts. Eine eindeutige Kennzeichnung von Materialproben, eine dazugehörige Referenzprobe bei Raumluftuntersuchungen sowie korrekt durchgeführte Klebeproben schaffen belastbare Ergebnisse. Wer hier sorgfältig arbeitet, schützt Auftraggeber vor Fehldiagnosen, unnötigen Kosten und anderen Risiken. Deshalb gilt: Präzision vor Schnelligkeit – denn eine saubere Probennahme bildet die Grundlage jeder seriösen Schimmelbewertung.