Schimmelpilze sorgen in Innenräumen regelmäßig für Unsicherheit. Dennoch kursieren zahlreiche Halbwahrheiten, die Betroffene verharmlosen oder sie werden unnötig in Panik versetzen. Es geht darum typische Fehler zu vermeiden vor dem nächsten Schritt.
1. „Ein bisschen Schimmel ist harmlos“
Viele Menschen unterschätzen kleine, dunkle Flecken an Wänden oder Decken. Schimmelpilze entstehen nicht ohne Grund. Sie weisen auf ein Feuchtigkeitsproblem hin. Selbst wenn die betroffene Stelle klein wirkt, breiten sich die Sporen meist schon längere Zeit davor unsichtbar weiter aus. Außerdem gelangen sie in die Raumluft und können Atemwege, Haut oder Augen reizen. Deshalb sollten Bewohner jeden sichtbaren Befall ernst nehmen und die Ursache konsequent klären. Panik ist allerdings auch nicht notwendig, da Infektionen bzw. Mykosen sehr selten sind und meist von einem geschwächten Immunsystem einher gehen.
2. „Schimmel entsteht nur durch falsches Lüften“
Zwar begünstigt falsches Lüften die Feuchtigkeitsbildung, jedoch entstehen viele Schäden durch Baumängel, Wärmebrücken, undichte Leitungen oder andere Havarien. Besonders in modernen, gut gedämmten Gebäuden sammelt sich Feuchtigkeit schneller, wenn bauliche Details nicht optimal geplant wurden. Mit die schlimmsten Schäden sehen wir, wenn Wasser langsam aber stetig irgendwo einsickern kann ohne bemerkt zu werden. Ein undichter Hahn, der nicht bemerkt wird, oder andere kleine Undichtigkeiten. Dann tropft oder sickert das Wasser oft über einen langen Zeitraum in das Material ein, so dass es sich über die Zeit wie ein Schwamm vollsaugen kann. Wer ausschließlich das Nutzerverhalten verantwortlich macht, übersieht oft strukturelle Probleme. Eine professionelle Analyse schafft hier Klarheit.
3. „Schwarzer Schimmel ist der gefährlichste“
Der Begriff „schwarzer Schimmel“ taucht häufig in Medienberichten auf. Allerdings existieren zahlreiche Schimmelpilzarten in dunkler Farbe. Die Farbe allein liefert gar keinen zuverlässigen Hinweis auf die Gefährlichkeit. Gerade bei schwarzem Schimmel kann es von „mehr oder weniger nur wirtschaftlichen Schaden“ bis „gesundheitlich bedenklich“ gehen. Gattungen wie Aspergillus oder Mucor können unter Umständen ebenfalls gesundheitliche Beschwerden verursachen. Beispielsweise Aspergillus fumigatus der grün gräulich ist fällt aus diesem Raster heraus. Zudem ist nicht jeder schwarze Belag gleich ein Schimmelpilz. Daher sollte man verdächtige Stellen erst einmal unabhängig von der Farbe prüfen lassen.
4. „Nur alte Gebäude sind betroffen“
Schimmelpilze treten keineswegs nur in Altbauten auf. Auch Neubauten zeigen immer häufiger Feuchteschäden, wenn Baufeuchte nicht ausreichend austrocknet um Bauzeiten zu verkürzen, nicht ausreichend qualifiziertes Personal Arbeiten ausführt oder Wartungstermine nicht wahrgenommen werden. Hinzu kommen moderne, luftdichte Bauweisen, die falsches Lüftungsverhalten schneller bestrafen. Somit betrifft das Thema Eigentümer und Mieter gleichermaßen – unabhängig vom Baujahr. Lüftungskonzepte wie DIN ISO 1946 sollten konsequent umgesetzt werden.
5. „Mit Chlormitteln läßt sich das Problem lösen“
Oft greifen Betroffene zu chlorhaltigen Reinigern. Zwar entfernen solche Mittel oberflächliche Verfärbungen, jedoch beseitigen sie nicht die Ursache. Das Umweltbundesamt verweist auf seinen Internetseiten darauf, dass solche aggressiven Chemikalien in die Raumluft übergehen und die Atemwege reizen. Ohne nachhaltige Ursachenermittlung, Eindämmen der Feuchtigkeit und Trocknung kehrt der Schimmel wieder zurück. Das ist nur eine Frage der Zeit. Deshalb empfiehlt sich eine fachgerechte Sanierung statt einer kurzfristigen Kosmetiklösung.
6. „Da streichen wir mit Anti-Schimmelfarbe drüber“
Eine weitere beliebte „schnelle“ und „günstige“ Methode ist das überstreichen von Schadstellen mit Anti-Schimmelfarbe. Sehr beliebt um den Schaden schnell „unsichtbar“ zu machen. Das ist nur eine kosmetische und kurzfristige Maßnahme. Abgesehen davon haben auch viele dieser Farben ungünstige Inhaltsstoffe, wie wir in diesem Beitrag bereits beschrieben haben. Kleine Flächen (max. 25 x 25 cm können mit Isopropanol oder Brennspiritus selbst behandelt werden.
7. „Mit Open-dish-Verfahren kann ich Schimmelpilze im Raum finden“
Einfach ein paar Nährböden im Raum aufstellen und die Belastung von Schimmelpilzen im Raum zeigt sich nach ein paar Tagen. Wie bei so vielen Dingen gibt es auf komplexe Fragen einfach keine simplen Antworten, die wirklich Abhilfe schaffen. Solche Schnelltests bilden nicht die tatsächliche Situation im Raum ab. Darüber haben wir bereits mehrfach geschrieben.
Fazit: Wissen schützt vor teuren Fehlern
Halbwahrheiten und verführerisch günstige Hilfsmittel bei Schimmelpilzen führen oft zu falschen Entscheidungen. Wer Schimmelpilze verharmlost, riskiert hohe Sanierungskosten und manchmal vielleicht auch gesundheitliche Risiken. Wer hingegen ausschließlich Panik schürt, belastet Bewohner und Betroffene unnötig. Eine sachliche Bewertung, kombiniert mit fachlicher Expertise, schafft Sicherheit – sonst nichts. Deshalb gilt: Ursache ermitteln, Feuchtigkeit reduzieren und nachhaltige Maßnahmen umsetzen.
